Sie war Kanu-Weltmeisterin, er ein Kreisliga- Kicker: Dieses Pärchen sorgt jetzt beim SV Jembke für einen Rekord

Jembke. Dieser Rekord ist ein großer Verdienst dieses Pärchens: Sabine Voß (53
Jahre) und Bernd Krüger (56) organisieren bereits seit zwölf Jahren gemeinsam den
Bahrs-Lauf des SV Jembke. Die jüngste Auflage am Sonntag lockte trotz des parallel
stattfindenden Berlin-Marathons 327 Bewegungsenthusiasten nach Jembke.
Mittlerweile haben sich Voß und Krüger dem Ausdauersport verschrieben – früher
waren sie in komplett unterschiedlichen Sportarten zu Hause.
Florian Schulz
01.10.2024, 09:04 Uhr

Die schnellsten Frauen in Jembke: Therese Inhester (v. l.), Lorena Kinas, Lina Minnich, Charlene Ostrowski,
Anna-Katharina Wylegala und Kathrin Nickel.
Quelle: Florian Schulz

Die besten Männer beim Bahrs-Lauf: Jan Gregor (v. l.), Marc Günther, Valentin Harwardt, Steffen Hannich,
Clemens Ostrowski und Melvin Evers.
Quelle: Florian Schulz
Dreimal deutsche Meisterin, im Jahr 2000 sogar Weltmeisterin in Brasilien:
Voß gehörte 18 Jahre lang auf hohem Niveau dem Kanusport an, trainierte in
Hannover. Nicht ganz so erfolgreich war Krüger mit den Jembker Fußballern.
Immerhin an einen Aufstieg von der 1. Kreisklasse in die Kreisliga sowie an
zwei Pokalsiege erinnert er sich zurück. Kennengerlernt hatten sich die
beiden einst beim Skibergsteigen, wo es ganz besonders auf die Ausdauer
ankommt. Daraufhin fand das Pärchen, das am Sonntag vom
Landessportbund für seine Verdienste geehrt wurde, eine neue Leidenschaft.
Bis zu 16 Trainingsstunden pro Woche
„Im Winter musste ich mich mit Lauf- und Hanteltraining fithalten“, erzählt
die 53-Jährige. Probleme mit der Puste hatte die Hannoveranerin daher nie.
Anders war‘s bei ihrem Lebensgefährten. „Als wir uns kennenlernten, hatte
ich gerade mit dem Fußball aufgehört. Beim Skibergsteigen habe ich
gemerkt, dass ich keine Puste mehr hatte“, verrät Krüger, der damals 40 war,
schmunzelnd. Gemeinsam mit seiner Liebsten drehte er in der Folge
Laufrunden, mittlerweile absolvieren beide Halbmarathons, Marathons und
Triathlons. „Es kam schon vor, dass wir allein sonntags sechs Stunden auf
dem Rennrad unterwegs waren. Zu Spitzenzeiten haben wir um die 16
Stunden unter der Woche trainiert“, erklärt die frühere Kanutin. Anfangs war
sie noch dreimal wöchentlich zwischen Jembke und Hannover gependelt,
entschied sich mit der Zeit aber doch dafür, den Leistungssport ruhen zu
lassen.„Wir sind dankbar dafür, dass solche Veranstaltungen stattfinden,
nehmen viel davon mit. Aber wir geben auch sehr gern zurück – das
motiviert uns, hier in jedem Jahr alles zu geben.“
Bernd Krüger
Lauforganisator vom SV Jembke
„Laufen kann man ja überall“, weiß Voß, die sich gemeinsam mit ihrem
Lebensgefährten an nahezu allen Wettbewerben des Laufcups Gifhorn-
Wolfsburg beteiligt. Sie sind nicht nur gern in umliegenden Orten zu Gast,
sondern riefen einst auch den „Herbstlauf um die dolle Knolle“ in heimischen
Gefilden ins Leben. „Wir sind dankbar dafür, dass solche Veranstaltungen
stattfinden, nehmen viel davon mit. Aber wir geben auch sehr gern zurück –
das motiviert uns, hier in jedem Jahr alles zu geben“, erklärt Krüger.
Während er sich um die Anmeldungen und die Einteilung der rund 40 Helfer
kümmert, ist seine Lebensgefährtin für den Startbereich, die Startnummern
sowie die Markierung und Beschilderung der Strecken zuständig.
Zwei stressige Wochen vor der Veranstaltung
Besonders die zwei Wochen vor der Veranstaltung seien laut Voß „sehr
intensiv“. Das komplette Equipment für den Lauf ist auf dem heimischen
Dachboden gelagert, muss nach und nach aufgebaut werden. „Wir sind die
Strecke unter der Woche eigentlich jeden Tag abgefahren, haben Pfeile
aufgemalt und Schilder aufgestellt. Bernd hat teilweise bis in die Nacht hinein
Fragen, die per E-Mail eingetroffen waren, beantwortet“, erzählt die 53-
Jährige.

Startschuss: Die Fünf-Kilometer-Läufer gehen beim 12. Bahrs-Lauf des SV Jembke auf die Strecke.
Quelle: Florian Schulz
Doch all der Aufwand hatte sich ausgezahlt: 327 Startende auf drei Distanzen
(fünf und zehn Kilometer sowie 800 Meter) bedeuteten einen neuen Rekord.
Angetrieben wurden sie von rund 60 jungen Jembker Cheerleaderinnen.
„Dass wir allein über 60 Kinder auf der kürzesten Distanz am Start hatten, ist
wirklich toll“, freute sich Voß.




